Rede vom Solidaritätsnetzwerk Berlin


Schön das wir hier sein dürfen. Ich bin Mira vom Solidaritäsnetzwerk. Ich werde nicht alle Begriffe in meiner Rede gendern wie z.b spreche ich von Tätern und nicht Täter:innen. Das hat den hintergrund, dass wir grundpatriachale und unterdrückende Strukturen welche vorallem von Männern dominiert sind, nicht gendern. Gewalt gegen Frauen hat viele Erscheinungsformen. Diese Erscheinungsformen können sehr komplex sein und sind häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar. Diese Gewalt äußert sich sowohl psychisch als auch physisch, häuslich oder als sexualisierte Gewalt. Gewalt gegen Frauen kann sowohl von einer Einzelperson als auch von einer Gruppe, dem Staat oder der Gesellschaft ausgeübt werden. Um zu verstehen, was Gewalt gegen Frauen konkret ist und warum diese immer patriarchal und somit auch strukturell ist, muss man sich über das Ziel dieser Gewalt im Klaren sein. Das Ziel ist es, Frauen in "ihrer Rolle" zu halten und kleinzumachen. Die zwei Unterdrückungssysteme - Patriarchat und Kapitalismus - bedingen einander und sind voneinander abhängig. Der kapitalistische Staat profitiert in vielen verschiedenen Formen von der patriarchalen Gewalt. (tauschen, letzten 2 sätze?) Frauen verdienen 21% weniger Lohn, erhalten im Schnitt nur 700 € Rente was rund 400 € weniger sind als bei Männern. 89% der Alleinerziehenden [,/und] 98% der Opfer von Sexualstraftaten sind Frauen. Sie verrichten doppelt so viel unbezahlte Hausarbeit. Und all das passiert nicht zufällig, sondern ist diesem System innewohnend. Das ist der sexistische Alltag in einer kapitalistischen Gesellschaft. Er betreibt nur so viel Frauenschutz wie nötig. Das komplette System beruht auf der gewaltvollen Zurichtung und Unterdrückung von Frauenleben und Frauenkörpern und ist gesellschaftlich fest in den Köpfen aller verankert. Die ökonomische Ungleichheit von Frauen und Männern ist gesellschaftliche Basis für Sexismus und Gewalt gegen Frauen. Die Ersparnisse für den Staat und Unternehmen(für die Unternehmen vor allem,.die müssten ja sonst mehr Lohn zahlen) durch unbezahlte Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege ist massiv. Das Abwälzen dieser Aufgaben auf Frauen und vor allem in den privaten Bereich führt einerseits zu Mehrfachbelastungen und verfestigt andererseits das traditionelle Bild der Frau. Lohnunterschiede und prekäre Arbeitsbedingungen, vertiefen die finanzielle Abhängigkeit von Frauen. Das führt wiederum dazu, dass Frauen vor häuslicher Gewalt oftmals nicht fliehen können und weniger Möglichkeiten des Ausweges haben. Für viele Frauen ist das eigene Zuhause immer noch der gefährlichste Ort und ermöglicht den Tätern so ein leichtes Spiel. Mittäter:innen sind die Leute, die Schreie, Schläge und Streitigkeiten unter Nachbar:innen hören und sie ignorieren, um sie als Familienproblem zu bezeichnen. Schuldig ist die Polizei, die Gewalt gegen Frauen missachtet. Der häufig betriebene Täterschutz, was oft mit Männerbündelei einhergeht, führt meistens zur Denunzierung des Opfers, wodurch sowohl aktiv als auch passiv eine Fortsetzung der patriarchalen Gewalt stattfindet. Aus Furcht davor kommen viele Gewaltverbrechen erst gar nicht zur Anzeige. Verantwortlich sind die Meinungsmacher:innen der Medien, die die Patriarchale Gewalt als „Familiendramen“ verharmlosen. Und es gibt kaum Schutz für Frauen! Es gibt in Deutschland nur 350 Frauenhäuser, was bedeutet, dass 14.600 Plätze mindestens fehlen. Umfragen zu Folge wurden mindestens 3,6% der Frauen während des härtesten Lockdowns von ihrem Partner zu Hause vergewaltigt, 7,5% wurden Opfer körperlicher Gewalt. Wir können uns vorstellen, dass die Dunkelziffern noch wesentlich höher sind. Diese Barbarei muss ein Ende nehmen! Soziale Verbesserungen, wie der Ausbau von Frauenhäusern und anderer Schutzeinrichtungen, bezahlbarer Wohnraum für alle, kostenlose und flächendeckende Kinderbetreuung, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, höhere Löhne, eine ausreichende Finanzierung des Gesundheits- und Sozialbereichs sind zentral im Kampf gegen Gewalt an Frauen. Gewalt gegen Frauen ist also auch eine Klassenfrage. Deswegen darf dieser Kampf nicht dabei stehenbleiben, Übergriffe öffentlich zu machen, härtere Sanktionen oder Strafen gegen Täter zu fordern, sondern muss viel weiter gehen. Gewalt an Frauen umfasst mehr als das individuelle Verhalten – sie ist systematisch. Der Kampf gegen Sexismus, Frauenunterdrückung und Gewalt gegen Frauen ist deshalb auch ein politischer Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse und ein Kampf gegen alle Formen von Unterdrückung! Wir Frauen teilen einen gemeinsamen Schmerz – Gewalt gegen Frauen bedroht das Leben jeder Einzelnen. Ich war, ich bin, ich werde sein, die Revolution wird die Frau befreien!!!

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