Rede vom Bff und BKSF


Wir sind Lisa und Katharina und wir freuen uns sehr, heute hier dabei zu sein. Wir sind hier für den bff und die BKSF. Der bff ist der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. Im bff haben sich über 200 Beratungsstellen bundesweit zusammengeschlossen, die Frauen und Mädchen unterstützen, die Gewalt erlebt haben. Oder aktuell erleben. Die BKSF vertritt ca. 360 Beratungsstellen, die gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend arbeiten. An die Beratungsstellen wenden sich Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die Unterstützung bei der Bearbeitung ihrer Geschichte brauchen. Nicht nur Betroffene, sondern auch Unterstützer*innen, können sich an die Beratungsstellen wenden, wenn sie Fragen haben oder sich Sorgen um jemanden machen. Und auch Personen, die in ihrer Arbeit dem Thema begegnen, können sich Rat holen. Die Beratungsstellen sind ganz unterschiedlich, aber die meisten eint eine kämpferische Geschichte. In den späten 70er und 80er Jahren haben sich Betroffene und aktive Unterstützer*innen vor allem aus der feministischen Bewegung zusammengeschlossen, organisiert und sexualisierte Gewalt öffentlich gemacht. Und das gegen gewaltige Widerstände! Aus dieser Bewegung heraus wurden die ersten Anlaufstellen und Notruftelefone gegründet, um andere Betroffene zu unterstützen und sich zu empowern – damals komplett ohne Geld. Daraus erwuchs langsam ein Netz zunehmend professionalisierter Fachberatungsstellen. Es hat sich viel verändert seitdem, aber noch immer gibt es zu wenig Angebote und die Ressourcen sind knapp. Und immer noch finden zu viele Betroffene geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt keine Beratungsstelle. Etwa weil: es in der Gegend keine Beratungsstelle gibt, weil sie nicht barrierefrei ist, weil sie keine Dolmetschung anbieten kann oder weil sie nicht explizit trans offen oder rassismus-sensibel erscheint. Aber es ist überhaupt schwierig sich Hilfe zu suchen, wenn man Gewalt erlebt hat. Viele Betroffene schweigen ihr Leben lang, aus Sorge, dass ihnen nicht geglaubt wird, dass sie abgewertet oder auch angegriffen werden. Viele wollen andere nicht belasten. Das alles sind keine unbegründeten Sorgen. Viele Betroffene erleben, dass ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird oder ihnen nur dann geglaubt wird, wenn sie eine Anzeige machen oder ein Gericht ihnen Recht gibt. Dabei werden die meisten Übergriffe gar nicht erst angezeigt, vor allem wenn sie im nahen Umfeld stattfinden. Und die Gerichtsverfahren dauern sehr lang und sind sehr belastend. Aber auch als Unterstützungsperson kann es schwer sein das Thema auszuhalten. Weil es schwierig sein kann, passende Worte zu finden. Weil man eigene Gewalterfahrungen gemacht hat, die dann wieder hochkommen. Weil es schwierig ist, es auszuhalten, wenn die Gewalt weiter andauert. Oder weil die gewaltausübende Person bekannt und vielleicht sogar eine Respektperson ist. Gerade sexualisierte Gewalt ist besonders schambesetzt. Deswegen ist es so wichtig, über Gewalt zu reden, immer wieder. Und es ist wichtig, darüber zu sprechen, welche Strukturen geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt begünstigen, um gesellschaftlich dagegen anzugehen. Deswegen bedeutet der Kampf gegen Gewalt für uns auch der Kampf gegen patriarchale Strukturen. Dafür steht auch der Frühjahrsruf, der aus unserer Sicht an den jahrzehntelangen Einsatz gegen Gewalt anknüpft. Sexualisierte Gewalt ist seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit sehr präsent – durch #aufschrei, #me too und die vielen Fällen, die an die Öffentlichkeit treten. Immer mehr Personen vernetzen und organisieren sich und treten gegen Übergriffe und Gewalt ein. Es passiert sehr viel, um das Schweigen über Gewalt zu brechen. Doch gleichzeitig erfährt noch immer jede 7. Frau schwere sexualisierte Gewalt, 60% haben sexuelle Belästigung in unterschiedlichen Kontexten erlebt. Ungefähr jede*r achte erwachsenen Person in Deutschland ist sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend widerfahren. Es gibt noch viel zu tun! Lasst uns deswegen auch weiterhin gemeinsam gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt kämpfen. Lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass Betroffenen geglaubt wird, sie unterstützt werden. Lasst uns einander gegenseitig empowern, Seite an Seite stehen und uns alle Verantwortung dafür übernehmen, dass es weniger Gewalt und Übergriffe gibt.

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