Catcalling


Es ist nicht deine Schuld!

Menschen, die Erfahrungen zu einer sexualisierter Grenzverletzung durch leiden mussten, leiden meist im Stillen und haben Angst davor sich Hilfe zu holen, da sie noch nicht bereit sind darüber zu reden. 

Du hast das Recht dir Hilfe zu holen und dafür zu sorgen, dass es dir besser gehen wird. Du bist mit deinen Erfahrungen nicht alleine und es ist wirklich nicht deine Schuld. Denn du hast alles gemacht, um dich in dem Moment zu schützen, was du zu dem Zeitpunkt konntest. Wir glauben dir.

Es ist in Ordnung, dass es (immer noch) weh tut, nimm dir die Zeit die du brauchst.  Und wenn du soweit sein solltest, denk darüber nach, ob es dir helfen würde darüber zu reden und sich gegebenenfalls Hilfe zu holen. 

 Wir sind stolz auf dich, dass du hier bist und zweifeln nicht an deiner Stärke. Du hast das gemacht was du konntest und das ist in Ordnung.

Du bist nicht allein.


In unserem Verzeichnis unter dem Namen: Alle Notdienste - Ein Überblick, findest du verschiedene Anlauf- und Beratungsstellen, die dir weiterhelfen können.



Jetzt folgt ein aufklärender Part, dieser kann eventuell Trigger auslösen. Falls du dich dafür schützen willst, höre am Besten jetzt auf zu lesen.

Der Begriff „Sexismus“ ist sehr weit verbreitet. Es gibt kaum jemanden, der dieses Wort nicht kennt. Sexismus ist im Allgemeinbewusstsein der Gesellschaft verankert und besitzt eine Omnipräsenz. Jedoch kann Sexismus nicht nur auf einen bestimmten Alltagsbereich oder auf ein bestimmtes Milieu beschränkt werden. Insgesamt haben 63 Prozent aller Frauen und 49 Prozent aller Männer sexistische Übergriffe anderen oder sich selbst gegenüber erlebt (Wippermann, 2019).

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums haben 44 Prozent der befragten Frauen schon einmal sexistische Übergriffe in Deutschland erlebt. Die Hälfte davon hat verbal stattgefunden. In anderen Studien liegt die Zahl der Betroffenen noch deutlich höher, bei bis zu 85 Prozent (Schwarz, 2020).

Als Catcalling wird ein verbaler Übergriff verstanden. Das bedeutet: ungebetene Kommentare bezüglich des Aussehens, ein Pfeifen oder sexuell aufgeladene Geräusche (z.B Nachahmen eines Kusses). Man kann Catcalling auch als Alltagssexismus beschreiben. Statistisch sind Frauen davon um ein Vierfaches häufiger betroffen als Männer (Büttner; Schadwinkel, 2018).

Catcalling ist das Ausnutzen von Dominanz und Macht (Quell, 2020).

Diese Art der verbalen Belästigungen haben nichts mit einem Kompliment zu tun, sondern viel mehr mit sexualisierter Belästigung. Nach einem Kompliment fühlt man sich gut, beim Catcalling hingegen fühlen sich die Betroffenen häufig schmutzig und schuldig. Oft haben betroffene Personen Angst ihre Kleidung sei provokativ oder es treffe sie eine Mitschuld.

Dabei trifft den*die Betroffene*n keinerlei Schuld daran!

Inzwischen gibt es gegen Catcalling auch Widerstände. 2016 erstellte die Studentin Sophie Sandberg den Instagram-Account @catcallsofnyc. Daraus resultieren in 150 Städten ähnliche Accounts. Dort wird auf das Catcalling aufmerksam gemacht, indem Sprüche mit Kreide auf öffentlichen Straßen aufgeschrieben werden und diese dann über den Instagram-Account veröffentlicht werden. Obwohl durch mehrere Untersuchungen gezeigt wurde, dass Catcalling negative Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen hat, gilt Catcalling in Deutschland momentan noch nicht als Straftat. Sexualisierte Übergriffe sind zwar nach Artikel 177 StGB verboten, doch für diesen Strafbestand muss es Berührungen gegeben haben. Sexuelle Zudringlichkeit fängt allerdings schon vor der Berührung an (Schwarz, 2020).

Es gibt dafür bereits seit 2020 eine Petition um dies zu ändern und das damit Catcalling nicht mehr in dieser Grauzone verweilt, sondern gesetzlich verfolgt werden kann (Fink, 2021).

In einigen Ländern existieren bereits Gesetze gegen das Catcalling. In Frankreich beispielsweise ist Catcalling schon seit 2018 strafbar und wird mit Geldstrafen von bis zu 750 Euro gefahndet. Auch in Portugal, Belgien und in den Niederlanden ist Catcalling illegal. Das Catcalling Gesetz bezieht sich gleichermaßen auf jedes Geschlecht (Quell, 2020).


Stand: März 2020


Hast du noch Verbesserungsvorschläge zu diesem Artikel? Schicke uns diese sehr gerne weiter. Wir lernen noch dazu.


Literatur:
Büttner, M., & Schadwinkel, A. (o. J.). Es wird gepfiffen und gegrapscht(Nr. 2018-11–12). https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-11/sexuelle-belaestigung-catcalling-metoo-psyche-anzeige 

Fink, A. (2021, Januar 14). Catcalling ist kein Flirten—Es ist ein sexueller Übergriff. RBB24. https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/01/catcalling-berlin-sexuelle-belaestigung-gewalt-sprueche-frauen-strassen.html 

Quell, A. (2020). ES IST 2020. CATCALLING SOLLTE STRAFBAR SEIN. openPetition. https://www.openpetition.de/petition/online/es-ist-2020-catcalling-sollte-strafbar-sein#petition-main 

Schwarz, C. (2020, September 30). Petition gegen „Catcalling“ Raus aus der gesetzlichen Grauzone. Taz. https://taz.de/Petition-gegen-Catcalling/!5713269/ 

Wippermann, Dr. C. (2019). Sexismus im Alltag Wahrnehmungen und Haltungen der deutschen Bevölkerung (1. Aufl.). Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. https://www.delta-sozialforschung.de/cms/upload/grafiken/artikel/Sexismus_im_Alltag.pdf 

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