Warum muss Feminismus intersektional sein?


Der Begriff Intersektionalität beschreibt Mehrfachdiskriminierungen. Es geht darum, Diskriminierung und Ausgrenzung als komplexen Zusammenhang zu verstehen.

‚Intersection‘ ist das englische Wort für Straßenkreuzung. Geprägt wurde der Begriff durch die Schwarze US amerikanische Juristin und Aktivistin Kimberlé Crenshaw.

Mehrfachdiskriminierung beschreibt die systematische Unterdrückung, welche beispielsweise eine weiblich* gelesene Person of Color mit Behinderung aufgrund der gesellschaftlich diskriminierenden Strukturen erfahren muss. Rassismus, Ableismus und Sexismus führen hierbei beispielsweise zu einer diskriminierenden Wechselwirkung.

Durch zugeschriebene soziale Kategorisierungen (z.B. Geschlecht, Rassifizierung, Alter, Klasse, Nationalität, Behinderung, sexuelle Orientierung, Religion), erfahren Menschen einen unterschiedlichen Zugang zu Ressourcen, Rechten und anderen Teilbereichen in der Gesellschaft. Intersektionalität betrachtet die Zusammenkunft und Wechselwirkung verschiedener zugeschriebener Kategorisierungen und gibt dadurch eine Perspektive auf Mehrfachdiskriminierungen. Intersektionalität gilt als Grundidee des Schwarzen Feminismus und existierte demzufolge schon bevor das Wort wissenschaftlich geprägt wurde.


Dr. Natascha A. Kelly sagte in einem Interview zu Ihrem neu erschienen Buch „Schwarzer Feminismus“ (erschienen im März 2019):

„Im Prinzip gibt es die Intersektionalität so lange wie es die Schwarze Frauenbewegung gibt. Nicht als Wort oder eingeschrieben in die Wissenschaft, das kam erst später. Die Texte in ,Schwarzer Feminismus‘ zeigen, dass Intersektionalität die Grundidee des Schwarzen Feminismus ist. Im Vergleich zum Mainstream- Feminismus geht es weniger darum, Forderungen zu stellen. Das ist erst der zweite Schritt. In erster Linie geht es darum, Machtverhältnisse zu erkennen und zu dekonstruieren. Kimberlé Crenshaw beschreibt Intersektionalität später als eine Art ‘Prisma’, durch das geguckt werden kann, um zu schauen, wie diese Strukturen wirken. Das ist der entscheidende Unterschied. Weiße Frauen reproduzieren mit ihren Forderungen oft ebendiese Strukturen, nämlich das Patriarchat und White Supremacy. Ihre Forderungen nutzen einzelnen Individuen, aber nicht der Gesamtheit aller Frauen. Schwarze Frauen hingegen hatten schon immer die Strukturen im Blick, weil sie in einer anderen Ausgangssituation lebten und sowieso nie zur Norm gehörten. Mit dem Erreichen des Wahlrechts haben sich weiße Frauen immer mehr auf diese Norm zubewegt. Letzten Endes war ihr Ziel, die Position des weißen Mannes einzunehmen und das ist nicht, was wir, Schwarze Frauen wollen. Wir wollen eine Strukturveränderung auf allen Ebenen.“ (Kelly, 2019)


Feminismus muss gesamtheitlich gedacht werden, damit davon nicht nur einzelne Individuen profitieren. Auch eine historische Betrachtung der Ursachen für Ungleichheit und Machtstrukturen ist hierfür wichtig. Es muss auf allen Ebenen gegen Diskriminierung gekämpft werden. Dafür ist es wichtig zu verstehen, dass Personen Mehrfachdiskriminierungen erfahren! Deswegen müssen auch im feministischen Aktivismus eigene Privilegien kritisch hinterfragt und reflektiert werden, um zu gewährleisten, dass Mehrfachdiskriminierungen gesehen und sichtbar gemacht werden.


Wie setzen wir uns als FrühjahrsRuf Team für intersektionalen Feminismus ein?

Wir sind ein Team, welches im Moment noch aus  weißen FLINTA* besteht. Wir hinterfragen unsere damit einhergehenden Privilegien und erkennen, dass wir aus unserer eigenen Perspektive nicht alleine Feminismus verstehen können. Deswegen versuchen wir mit weiteren Personen, Vereinen und Organisationen zusammenzuarbeiten, in Kontakt zu treten und diese solidarisch zu unterstützen. Unser Ziel ist es außerdem uns immer wieder kritisch zu reflektieren, um eigene Rassismen zu erkennen und zu benennen. Außerdem wollen wir durch einen regelmäßig durchgeführten Barrierecheck uns Barrieren in unserer Arbeit aufzeigen und diese abbauen.

Hast du Lust uns dabei zu unterstützen oder Anmerkungen und Kritik zu diesem oder anderen Text(en)? Dann melde dich sehr gerne bei uns, wir freuen uns auf deine Nachricht :)



Quellen:

Santos, L. (2020, September 17). Warum brauchen wir Schwarzen Feminismus?” Vier Frauen erzählen von den feinen Unterschieden zwischen Feministinnen.  https://www.fluter.de/was-ist-intersektionaler-feminismus 

Kelly, Dr. N. A. (2019, Juli 26). “Intersektionalität ist die Grundidee des Schwarzen Feminismus“ (C. Parbey) [Edition F].  https://editionf.com/dr-natasha-a-kelly-schwarzer-feminismus-buch-interview/# 

UNWomen Deutschland (2020, Juli). Intersektionaler Feminismus https://www.unwomen.de/ueber-uns/un-women-kaempft-fuer-gleichstellung/intersektionaler-feminismus.html 

Kommentare
* Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.