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Manspreading ist eine Praxis, bei welcher sich Personen mit breit gespreizten Beinen im öffentlichen Raum platzieren und somit anderen Menschen bis zur körperlichen Bedrängnis Raum wegnehmen.

Stell dir vor: Du sitzt in der Bahn und auf dem Platz vor dir fängt ein Typ an sich breitzumachen. Er spreizt die Beine so weit auseinander, dass er erstens Platz für drei Menschen einnimmt und zweitens auch noch seine Sitznachbar*innen mit den Beinen berührt und zur Seite drängt. Dies wäre ein deutliches Beispiel für Manspreading. Man- ( zu deutsch “Mann”), -spreading (zu deutsch “spreizen/sich ausbreiten”) verbreitet allen Anderen ein ungutes Gefühl im öffentlichen Raum; insbesondere in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Manspreading vermittelt den Eindruck, dass es okay ist den Platz Anderer einzunehmen oder anderen Menschen bis zur körperlichen Bedrängnis Raum wegzunehmen.

Warum sprechen wir über Manspreading?

Wir antworten auf die Kommentarspalte des BVG Beitrags zum Thema Manspreading.

Die Menschen, die hier kommentiert haben, stehen mit der Darstellung der Größe ihrer Hoden tatsächlich nicht alleine da. Die Größe von Hoden berechtigt allerdings niemanden dazu, den Raum anderer Menschen einzunehmen. Es ist gesellschaftlich oft tief verankert, dass der Penis und Hoden symbolisch mit Dominanz, Macht und/oder sogar Fruchtbarkeit verbunden werden Jeder Person steht derselbe Raum zu. Es ist deshalb überhaupt nicht angebracht, wegen vermeintlich großer Hoden mehr Freiraum einzufordern. 

Tatsächlich gab es dazu schon Forschungen, die dies widerlegt haben: “Es gibt keine geschlechtsspezifische Anatomie, die Männer dazu zwingt, breitbeinig zu sitzen” so Ina Hunger, Professorin für Sportwissenschaft an der Universität Göttingen (Vgl. Weissenburger, 2016).

Vielmehr scheint es sich um ein erlerntes Verhalten zu handeln. Zudem fordern wir nicht, dass Menschen ihre Beine fest zusammendrücken, sondern, dass die Beine normal weit voneinander entfernt sind und unsere Körper und unseren Raum nicht berühren und einschränken, wenn wir nicht danach fragen. Manspreading hat also NICHTS mit Biologie zu tun, sondern ist eine anerzogene und systemisch problematische Angewohnheit, die cis Männern das Gefühl gibt mehr Raum einnehmen zu dürfen als FLINTA*.

Die Problematik beim Manspreading sehen wir vor allem in einer Reproduktion toxischer Männlichkeit und patriarchaler Machtstrukturen. Zusätzlich liegt ein Unterschied darin, ob ein Gegenstand auf einen Sitz gelegt wird oder ob eine Person durch das breitbeinige Sitzen in den Raum einer anderen Person eindringt. Denn Manspreading ist körperlich bedrängend und belästigend. Der Sticker gegen Manspreading  richtet sich an diejenigen, die sich den Raum ohne ersichtlichen Grund nehmen. Wir sehen darin ein Dominanzverhalten, was dazu dient, Macht zu demonstrieren. Das ist ein Problem und wir sehen eine Notwendigkeit darin, mit Stickern in öffentlichen Verkehrsmitteln darauf aufmerksam zu machen. 

 Du darfst Respekt vor Mitmenschen und Umgebung zeigen. Und deinen Teil dazu beitragen, dass wir in einer Gesellschaft leben können, in der wir aufeinander achten. Und wenn das für dich damit beginnt aufzuhören zu viel Raum einzunehmen und dir Gedanken darüberzumachen, warum dich das Thema überhaupt so dolle aufregt, dass du einen Kommentar dazu schreibst, dann ist das schon mal ein guter erster Schritt.

Das finden wir auch. In mehreren Orten auf der Welt ist das Problem Manspreading übrigens schon von den öffentlichen Verkehrsbetrieben anerkannt. Zum Beispiel in den U-Bahnen von New York und den Bussen von Madrid hängen schon offizielle Anti-Manspreading Sticker.

Wenn Manspreading kritisiert wird, bzw. darüber gesprochen wird, gibt es oft sehr viel Gegenwind: cis Männer die wilde anatomische Begründungen für ihr Verhalten suchen, der Versuch das Problem als nichtig abzutun, die “Was darf man denn überhaupt noch?”-Frage und schließlich der “aber ihr und eure Handtaschen”- Konter. Anstatt Kritik anzunehmen oder darüber nachzudenken, wird versucht, das Thema umzulenken.

Aber nicht mit uns. Der öffentliche Raum steht uns ALLEN zu und das wollen wir unmissverständlich klarstellen. 

Wir nehmen unseren Raum zurück.

Ein Ei nach dem anderen. 

Wir haben nebenbei auch eine Ausstellung zu dem Thema Manspreading. Hier die Infos zu der Ausstellung und hier zu den Bildern der Ausstellung

Quellen:

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/manspreading-untenrum-breit-warum-maenner-breitbeinig-sitzen-a-1151934.html 

https://www.vice.com/de/article/zmb5we/wir-mussen-aufhoren-so-zu-tun-als-ware-manspreading-kein-problem 

https://taz.de/Phaenomen-Manspreading/!5269797/ 

https://www.instagram.com/p/CccWlXsKfLH/?igshid=YmMyMTA2M2Y=

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