Aufklärung - LGBTQ+


Es ist nicht deine Schuld!

Menschen, die Erfahrungen zu einer sexualisierten Grenzverletzung durchleiden mussten, leiden meist im Stillen und haben Angst davor sich Hilfe zu holen, da sie noch nicht bereit sind darüber zu reden.

Du hast das Recht dir Hilfe zu holen und dafür zu sorgen, dass es dir besser gehen wird. Du bist mit deinen Erfahrungen nicht alleine und es ist wirklich nicht deine Schuld. Denn du hast alles gemacht, um dich in dem Moment zu schützen, was du zu dem Zeitpunkt konntest. Wir glauben dir.

Es ist in Ordnung, dass es (immer noch) weh tut, nimm dir die Zeit die du brauchst. Und wenn du soweit sein solltest, denk darüber nach, ob es dir helfen würde darüber zu reden und sich gegebenenfalls Hilfe zu holen.

Wir sind stolz auf dich, dass du hier bist und zweifeln nicht an deiner Stärke. Du hast das gemacht, was du konntest und das ist in Ordnung.

Du bist nicht allein.



In unserem Verzeichnis unter dem Namen: Alle Notdienste - Ein Überblick, findest du verschiedene Anlauf- und Beratungsstellen, die dir weiterhelfen können.

Jetzt folgt ein aufklärender Part, dieser kann eventuell Trigger auslösen. Falls du dich dafür schützen willst, höre am Besten jetzt auf zu lesen.




Sexualisierte Gewalt betrifft jede Bevölkerungsgruppe und jede Community - einschließlich der LGBTQ+ Community. LGBTQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender und queere Menschen. Die LGBTQ+ Community ist jedoch viel größer und umfasst jede sexuelle Identität die von dem Cis-Dasein und/oder der Heteronorm abweicht. Dafür steht das +.

Verglichen mit heterosexuellen Cis-Menschen erleben Menschen aus der LGBTQ+ Community häufiger sexualisierte Gewalt. Die Community hat eine höhere Armutsrate, wird öfter stigmatisiert und marginalisiert, weshalb sie ebenfalls einem höheren Risiko hassmotivierter und  sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind ( Human Rights Campaign).

Hasskriminalität ist ein Oberbegriff für politisch motivierte Straftaten bzw. Kriminalität. Hasskriminalität kann als ideologisch motivierte Allgemeinkriminalität beschrieben werden, die jedoch demokratischen Grundwerte und die Achtung, der im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, bedrohen. Diese drückt sich häufig in Formen von Homosexualitäts-Feindlichkeit und Transgender-Feindlichkeit und deren Communities aus ( LSVD: Homophobe Gewalt).

Hassmotivierte Gewalt wie Belästigungen, Stalking, Vandalismus, sowie körperliche oder sexualisierte Gewalt, kann jede nicht traditionell marginalisiert Personengruppe treffen. Bei hassmotivierten Gewalttaten steht die betroffene Person oft stellvertretend für seine*ihre zugeschriebene Community. Häufig werden diese Straftaten durch Trans-, Bisexualitäts-, und Homosexualitäts-feindliche Äußerungen beigelegt, die eine Botschaft an alle Personen senden sollen, die sich der LGBTQ+ Community zugehörig fühlen (LSVD: Homophobe Gewalt). 

Viele aus der LGBTQ+ Community sind fast täglich betroffen von Stigmatisierungen und Vorurteilen, da sie von den traditionellen marginalisierten Gruppen abweichen. Durch Hasskriminalität können Betroffene oft Angst vor einer möglichen wiederholten Viktimisierung  haben und fühlen sich nicht sicher. Dadurch sind sie in ihren Freiheiten eingeschränkt. An dieser Stelle wollen wir ebenso auf die Intersektionalität hinweisen, denn hassmotivierte Gewalttaten richten sich häufig gegen People of Color (PoC). Intersektionalität beschreibt die Wechselwirkungen von gesellschaftlichen Zuschreibungen und die damit verbundene Diskriminierungen bishin zu systematischen Unterdrückungen. Welche eine Person aus der LGBTQ+ Community beispielsweise aufgrund seiner*ihrer sexuellen Identität und seiner*ihrer Hautfarbe erfahren muss und daher einem höheren Risiko ausgesetzt ist, von sexualisierter Gewalt betroffen zu sein. Im Jahr 2009 waren von den LGBTQ+Hassverbrechen 53 Prozent PoC (Human Rights Campaign).

Die Art und Weise, in der die Gesellschaft sowohl LGBTQ+Menschen hypersexualisiert, als auch deren Beziehungen stigmatisiert, kann zu Gewalt in der Partnerschaft führen. Diese beruht auf verinnerlichter Homosexualitäts-Feindlichkeit und Scham. 

Laut der US-amerikanischen “Human Rights Campaign” sind 44 Prozent der lesbischen Frauen und 61 Prozent der bisexuellen Frauen Vergewaltigung(en), körperlicher Gewalt oder Stalking durch eine*n intime*n Partner*in ausgesetzt.  Bei heterosexuellen Frauen ist es im Vergleich ein Teil von 35 Prozent. 26 Prozent der schwulen Männer und 37 der bisexuellen Männer erfahren sexualsierte Gewalt oder Stalking durch ihre*n Partner*in. Im Vergleich dazu sind es bei heterosexuellen Männern 29 Prozent (Human Rights Campaign). 

Am stärksten betroffen von sexualisierter Gewalt innerhalb der LGBTQ+Community sind trans*Frauen und bisexuelle Frauen. Laut der US-amerikanischen Organisation „Office for Victims of Crime“ wird davon ausgegangen, dass jede zweite Transgender-Person und bisexuelle Person in seinem*ihrem Leben (sexualisierte) Gewalt erfahren muss (Office for Victims of Crime).

Bei beiden Bevölkerungsgruppen beginnt die sexualisierte Gewalt häufig bereits in der Kindheit. 


Laut der US-amerikanischen “Human Rights Campaign” suchen sich von sexualisierter Gewalt betroffene Menschen selten medizinische, rechtliche oder mentale Hilfe und/oder Beratung, obwohl diese Ressourcen helfen könnten (Human Rights Campaign).

Mitgrund ist, dass Personen der LGBTQ+Community in Krankenhäusern, Polizeistationen oder anderen Unterstützungs-Einrichtungen möglicherweise mit weniger Respekt und/oder weniger Priorität behandelt werden.

Hinzu kommt, dass Fachleute solcher Einrichtungen, ihre Machtposition missbrauchen und Personen nicht helfen, sondern diese (sexualisiert) angreifen können. 15 Prozent der Transgender-Personen in der Studie gaben an, in Polizeigewahrsam oder im Gefängnis sexuell angegriffen worden zu sein, was sich für afroamerikanische Transgender-Personen mehr als verdoppelt(Office for Victims of Crime).



Der LSVD äußert sich zur Situation von LSBTI-Personen in Deutschland folgendermaßen:


"Im Mai 2020 veröffentliche die EU-Grundrechte-Agentur die Ergebnisse ihres zweiten großen LSBTI-Surveys. Rund 16.000 Menschen hatten sich in Deutschland beteiligt. 45% der Befragten vermeiden es danach oft oder immer, mit ihrem Partner*/ ihrer Partnerin* in der Öffentlichkeit Händchen zu halten. Besonders groß wird die Bedrohung durch Anfeindungen auf der Straße und im öffentlichen Nahverkehr erlebt. Wenn vor jedem verliebten Blick, vor einer Umarmung, vor einem Kuss im öffentlichen Raum zuerst die Umgebung gecheckt werden muss, ob jemand Wildfremdes einem womöglich anspucken, ins Gesicht schlagen oder in den Magen treten könnte, ist das eine erhebliche Einschränkung der Freiheit einer großen Bevölkerungsgruppe. Aber wo bleibt der Aufschrei, wo bleiben öffentliche Empathie und Solidarität? Sie fehlen insbesondere bei den für die Kriminalitätsbekämpfung originär politisch Verantwortlichen. Noch nie hat der für innere Sicherheit zuständige Bundesinnenminister eine homophobe oder transfeindliche Gewalttat öffentlich verurteilt, noch nie hat er ein Wort zur Sicherheit von LSBTI gesagt, geschweige denn etwas dafür unternommen. Meist findet man in der Kriminalpolitik nicht einmal einen Funken von Problembewusstsein. Seit 1954 gibt es die Innenministerkonferenz als ständige Einrichtung. Noch nie stand auf einer dieser Innenministerkonferenzen homophobe oder transfeindliche Gewalt als Besprechungspunkt auf der Tagesordnung. In dem EU-Survey berichten 13% der Befragten aus Deutschland, dass sie in den letzten fünf Jahren gewalttätig angegriffen wurden, weil sie LSBTI sind.

Angesichts solcher Zahlen ist diese Ignoranz unfassbar. Nicht nur Gewalt, auch Schweigen kann verletzen. Das muss ein Ende haben."

- LSVD Lesben- und Schwulenverband: Frei und sicher leben. Homophobie und transfeindlichke Hasskriminalität entschieden bekämpfen.


Hast du noch Verbesserungsvorschläge zu diesem Artikel? Schicke uns diese sehr gerne weiter. Wir lernen noch dazu.



Literatur:

Human Rights Campaign:  https://www.hrc.org/resources/sexual-assault-and-the-lgbt-community. Sexual Assault and the LGBTQ Community - HRC. Zuletzt abgerufen am: 06.05.2021

List, Katrin: Körper, Gesundheit und Gewalt.  https://www.dasgleichstellungswissen.de/formen-sexualisierter-gewaltbetroffenheit-bei-m-nnern.html?wa=IPGLB20. Formen sexualisierter Gewaltbetroffenheit bei Männern. In: Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. 2019. Zuletzt abgerufen von der Website: dasGleichstellungsWissen am 22.04.2021

LSVD Lesben- und Schwulenverband: Frei und sicher leben: Homophobie und transfeindlichke Hasskriminalität entschieden bekämpfen. https://www.lsvd.de/de/ct/3436-frei-und-sicher-leben-homophobe-und-transfeindliche-hasskriminalitaet-entschieden-bekaempfen. Beschluss des 32. LSVD-Verbandstags am 10. Oktober 2020. Zuletzt abgerufen am: 13.05.2021

LSVD Lesben- und Schwulenverband:  https://www.lsvd.de/de/ct/3111-diskriminierung-von-lesben-schwulen-bisexuellen-trans-und-inter-menschen-in-deutschland. Diskriminierung von Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans und inter Menschen in Deutschland. 16.000 Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) haben sich an Studie beteiligt. Mai 2020. Zuletzt abgerufen am: 13.05.2021

LSVD Lesben- und Schwulenverband:  https://www.lsvd.de/de/ct/2445-Homophobe-Gewalt-Angriffe-auf-Lesben-Schwule-bisexuelle-trans-und-intergeschlechtliche-Menschen-LSBTI#was-ist-hasskriminalitaet. Homophobe Gewalt: Angriffe auf Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) Zahlen/ Statistik zu homophober und transphober Gewalt / PMK Hasskriminalität aufgrund der sexuellen Orientierung. Zuletzt abgerufen am: 08.05.2021

LSVD Lesben- und Schwulenverband: https://www.lsvd.de/de/ct/2391-lsbti-in-deutschland-erfahrungen-mit-diskriminierung-und-gewalt.LSBTI in Deutschland: Erfahrungen mit Diskriminierung und Gewalt. Erfahrungen von über 16.000 Befragten aus Deutschland. Zuletzt abgerufen am: 13.05.2021

Office for Victims of Crime: https://ovc.ojp.gov/sites/g/files/xyckuh226/files/pubs/forge/sexual_numbers.html .Sexual Assault: The Numbers | Responding to Transgender Victims of Sexual Assault. Zuletzt abgerufen am: 06.05.2021

Zeit Online: Gewalt gegen Minderheiten. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-11/gewalt-gegen-sexuelle-minderheiten-berlin-lgbtiq-straftaten-kriminalstatistik?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com.Dutzende Angriffe gegen LGBTIQ in Berlin. November 2018. Zuletzt von der Website Zeit Online abgerufen am: 22.04.2021


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