Aufklärung - Jungen* Und Männern*


Es ist nicht deine Schuld!

Menschen, die Erfahrungen zu einer sexualisierter Grenzverletzung durch leiden mussten, leiden meist im Stillen und haben Angst davor sich Hilfe zu holen, da sie noch nicht bereit sind darüber zu reden

Du hast das Recht dir Hilfe zu holen und dafür zu sorgen, dass es dir besser gehen wird. Du bist mit deinen Erfahrungen nicht alleine und es ist wirklich nicht deine Schuld. Denn du hast alles gemacht, um dich in dem Moment zu schützen, was du zu dem Zeitpunkt konntest. Wir glauben dir. Es ist in Ordnung, dass es (immer noch) weh tut, nimm dir die Zeit die du brauchst. Und wenn du soweit sein solltest, denk darüber nach, ob es dir helfen würde darüber zu reden und sich gegebenenfalls Hilfe zu holen.

Wir sind stolz auf dich, dass du hier bist und zweifeln nicht an deiner Stärke. Du hast das gemacht was du konntest und das ist in Ordnung.
Du bist nicht allein.

In unserem Verzeichnis unter dem Namen: Alle Notdienste - Ein Überblick, findest du verschiedene Anlauf- und Beratungsstellen, die dir weiterhelfen können.


Jetzt folgt ein aufklärender Part, dieser kann eventuell Trigger auslösen. Falls du dich dafür schützen willst, höre am Besten jetzt auf zu lesen.


In diesem Part werden die Begriffe “sexualiserte Gewalt” benutzt um sexualisierte Übergriffe und Vergewaltigungen an erwachsenen Männern auszudrücken und “sexualisierter Missbrauch” um das sexuelle Vergehen an Jungen zu beschreiben.

Sexualisierte Gewalt an Männern und sexualisierter Missbrauch an Jungen ist ein großes, aber tabuisiertes Problem in unserer Gesellschaft.

Leider fokussiert sich die Forschung zu sexualisierter Gewalt immer noch hauptsächlich auf weibliche Personen und lässt Männer meist weg. Repräsentative Studien zu sexualisierter Gewalt an erwachsenen Männern liegen nicht vor und auch an Studien zu sexualisiertem Missbrauch an Jungen mangelt es.

Die Tabuisierung von sexualisierter Gewalt und vor allem von sexualisierter Gewalt an Männern, ist Grund dafür, dass es nur sehr wenige Studien zu dem Thema gibt. Wie viele Männer wirklich betroffen sind, ist schwer zu sagen, denn die Zahlen unterscheiden sich und liegen je nach Studie zwischen 3% und 30%. Eine Studie aus dem Jahr 2002 geht davon aus, dass jeder 5. bis 10. Junge sexuell missbraucht wurde (Kloiber, Böhme 2002). Wie viele es wirklich sind, ist weitgehend unbekannt und es wird eine sehr hohe Dunkelziffer vermutet.

Das Fehlen von Informationen führt dazu, dass sich Vorurteile gegenüber Männern immer noch halten

Sexualisierte Gewalt gegenüber Männern wird immer wieder heruntergespielt.

Es herrscht in vielen Feldern der Irrglaube, dass Männer nicht vergewaltigt werden, weil Männer Sex immer genießen würden.

Durch diese Behauptungen wird männlichen Betroffenen sexualisierter Gewalt weniger geglaubt und ihr Erlebtes nicht ernst genommen.

Gerade wenn der Mann durch eine Täterin sexualisierter Gewalt erfahren hat. Noch immer gilt der Irrglaube, dass nur Frauen “Opfer” und Männer “Täter” sind.

Auch werden Betroffenen deshalb ihre traumatischen Nachwirkungen abgesprochen und verharmlost.

Unsere Gesellschaft legt immer noch sehr viel Druck auf Männer, wie sie sich zu verhalten haben und wie sie mit Gefühlen umgehen sollten.

Es wird von Männern erwartet, das sie stark sind und keine Emotionen zeigen. Das führt dazu dass nur sehr wenige Männer über ihre sexualisierten Erfahrungen reden. Gerade bei sexualisierter Gewalt im Erwachsenenalter, kann das Gefühl auftreten kein “richtiger Mann” zu sein. Viele betroffene Personen sprechen sich nicht aus, weil sie sich nicht trauen und sich in ihrer Geschlechteridentität durcheinander gebracht fühlen. Der Mechanismus der Scham und der “Nicht- Männlichkeit” hemmt viele Männer sich auszusprechen.

Das muss aufhören. Betroffene von sexualisierter Gewalt müssen immer ernst genommen werden.


Hast du noch Verbesserungsvorschläge zu diesem Artikel? Schicke uns diese sehr gerne weiter. Wir lernen noch dazu.

Literatur:

Boehme, Ulfert: Jungen als Opfer. In: Bange, Dirk; Körner, Wilhelm (Hrsg.): Handwörterbuch sexueller Missbrauch. Göttingen, Verlag für Psychologie (2002), S.245- 253

Böhme: Sexuelle Gewalt gegen Jungen- Eine kritische Analyse des Forschungsstandes

Kloiber, Andreas_ Sexueller Missbrauch an Jungen. Epidemiologie- Erlben- Bewältigung. Eine quantitative und qualitative Untersuchung. Heidelberg. Asanger (2002)

Julius, Henir; Boehme, Ulfert: Sexuelle Gewalt gegen Jungen. Eine kritische Analyse des Forschungsstandes. Göttingen, Verlag für angewandte Psychologie (1997)

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Gewalt gegen Männer in Deutschland- Personale Gewatlswiderfahrnisse von Männern in Deutschland; Pilotstudie, Berlin 2004

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