Aufklärung - Black, Indigenous and People of Color


Es ist nicht deine Schuld!

Menschen, die Erfahrungen zu einer sexualisierte Grenzverletzung durchleiden mussten, leiden meist im Stillen und haben Angst davor sich Hilfe zu holen, da sie noch nicht bereit sind darüber zu reden. 

Du hast das Recht dir Hilfe zu holen und dafür zu sorgen, dass es dir besser gehen wird. Du bist mit deinen Erfahrungen nicht alleine und es ist wirklich nicht deine Schuld. Denn du hast alles gemacht, um dich in dem Moment zu schützen, was du zu dem Zeitpunkt konntest. Wir glauben dir.

Es ist in Ordnung, dass es (immer noch) weh tut, nimm dir die Zeit die du brauchst. Und wenn du soweit sein solltest, denk darüber nach, ob es dir helfen würde darüber zu reden und sich gegebenenfalls Hilfe zu holen.

Wir sind stolz auf dich, dass du hier bist und zweifeln nicht an deiner Stärke. Du hast das gemacht, was du konntest und das ist in Ordnung.

Du bist nicht allein.



In unserem Verzeichnis unter dem Namen: Alle Notdienste - Ein Überblick, findest du verschiedene Anlauf- und Beratungsstellen, die dir weiterhelfen können.



Jetzt folgt ein aufklärender Part, dieser kann eventuell Trigger auslösen. Falls du dich dafür schützen willst, höre am Besten jetzt auf zu lesen.


Die Verknüpfung von Sexismus und Rassismus wird Ethnosexismus genannt. Black and Indigenous and People of Color (BIPOC) erfahren daher beispielsweise nicht nur rassistische Diskriminierungen, sondern können auch sexistisch-diskriminierende Erfahrungen erleben. Diese Erfahrungen lassen sich als Mehrfachdiskriminierung beschreiben. Women of Color (WOC) sind aufgrund von Mehrfachdiskriminierungen, auch Intersektionalität genannt, stärker von sexualisierter Gewalt betroffen als Weiße Frauen. Mehrfachdiskriminierung beschreibt die systematische Unterdrückung, welche eine Woman of Color beispielsweise aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe erfahren muss.

Oft wird in Feminismus-Debatten der Fokus auf die Diskriminierungserfahrungen von Weißen Frauen gelegt. Dabei werden die Erfahrungen von Women of Color oder BIPOC zurückgestellt und die Erfahrungen weißer (cis-)Frauen als allgemeingültig für alle Frauen gesetzt. Dies diskriminiert auf zwei Ebenen. Zum einen bedeutet dass, das Women of Color als Frauen nicht geachtet oder berücksichtigt werden und zweitens wird den Personen damit ihr Repräsentationsanspruch als BIPOC abgesprochen.

Doch unter Sexismus und sexualisierter Gewalt leiden alle Menschen und vermehrt BIPOC.


TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungen, Mord, Rassismus


Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2018 fasste zusammen, dass nur jede 15. Schwarze Frau, welche eine Vergewaltigung erlitten hat, diese auch meldet. Was bedeutet, dass die Dunkelziffer gigantisch ist, wenn man bedenkt, dass jede vierte Schwarze Frau bereits vor ihrem 18. Lebensjahr Erfahrungen bezüglich sexualisierten Missbrauchs erleben musste (BLACK WOMEN AND SEXUAL ASSAULT).

Das Institut für frauenpolitische Forschung berichtet, dass Schwarze Frauen signifikant vermehrt psychisch missbraucht werden, als Frauen insgesamt. Zu psychischem Missbrauch gehören Demütigungen, Beleidigungen, bis hin zu weiteren Formen von Nötigungen.

Mehr als 20 % der Schwarzen Frauen werden in ihrem Leben vergewaltigt. Dies ist ein wesentlich höherer Anteil, als bei Frauen insgesamt.

Ebenso werden Women of Color zweieinhalb Mal häufiger von Täter*innen nach der sexualisierten Straftat ermordet. Nur eine von fünf Schwarzen Frauen überlebt diesen Vergewaltigungsakt. Mehr als 9 von 10 Schwarzen weiblichen Betroffenen kennen ihre*n Mörder*in.

17 % der Schwarzen Frauen erleben während ihres Lebens andere sexualisierte Gewalt als Vergewaltigung(en) durch eine*n intime*n Partner*in (BLACK WOMEN AND SEXUAL ASSAULT).

Die National Violence Against Women Survey (NVAWS) ergab, dass Natives aus den USA und Alaska häufiger von Gewalt in der Partnerschaft betroffen sind als Frauen und Männer aus anderen Minderheitsgruppen.

Das Projekt AWARE (Asian Woman Advocating Respect and Empowerment) aus dem Jahr 2000 ergab, dass 81,1% der asiatischen und von pazifischen Inselstaaten stammende Frauen in dem vergangenen Jahr mindestens eine Form von Partnerschaftsgewalt erleben mussten.

Laut einer Umfrage von koreanischen Migrantinnen, wurden 60% der Frauen von ihren Ehemännern misshandelt.

41-60% der Personen im asiatischen und pazifischen Raum erfahren laut einer Umfrage des Instituts für häusliche Gewalt in ihrem Leben häusliche Gewalt. Schätzungsweise sind 29,1% der afroamerikanischen Frauen in ihrem Leben innerhalb einer Partnerschaft von Gewalt betroffen ( Women of Color Network Facts & Stats: Domestic Violence in Communities of Color).

WOC bleiben meist in diesen gewaltsamen und toxischen Beziehungen und können sich nur sehr schwer davon lösen.&nbsp;</span><span>“In the Latino culture women are often designated to the roles of wife and mother. It is socially unacceptable to be divorced, to marry several times, or to remain single and have children out of wedlock. For these reasons, it may take some time for battered women to consider leaving their partners.”( Women of Color Network Facts &amp; Stats: Domestic Violence in Communities of Color).

Ein Hauptgrund für diese signifikant hohen Gewaltraten in dem Vergleich zu Weißen Frauen ist Rassismus.

Es gibt allgemein eine sehr hohe Gewaltrate gegen People of Color. Diese Gewalterfahrungen müssen nicht notwendigerweise mit sexualisierter Gewalt zusammenhängen, jedoch ist es wichtig über die rassistischen Gewalterfahrungen und über die alltägliche Voreingenommenheit und den institutionalisierten geschlechtsspezifischen, aber auch geschlechtsunspezifischen Rassismus, den BIPOC erfahren müssen, aufmerksam zu machen.

Die Verknüpfung von Sexismus und Rassismus wird Ethnosexismus genannt.

Personen, vor allem Schwarzen, geflüchteten, oder migrantisch eingeordneten Personen wird aufgrund der zugesprochenen Herkunft eine bestimmte Sexualität zugesprochen.

Grundsätzlich werden BIPOC von Stereotypen und destruktiven Misrepresentationen beeinflusst, denn BIPOC werden schon seit dem frühen 15. Jahrhundert hypersexualisiert.

Dieser Mythos rechtfertigte Sklaverei, Vergewaltigungen und Zwangsreproduktionen. Es zog sich bis durch das 20ste Jahrhundert und WOC wurden weiterhin misshandelt und vergewaltigt und trotzdem wurden diese Straftaten kaum strafrechtlich verfolgt.

Dieses unverantwortliche und unmögliche Umgehen von Gesellschaft und Politik mit sexualisiertem Rassismus und den Folgen führt dazu, dass sich viele WOC nicht mehr an die Polizei oder andere staatliche Institutionen wenden ( Black Women and Sexual Violence).

Sexualisierter Rassismus spielt somit auch heute noch eine große Rolle und darf nicht weniger beachtet werden als jegliche andere Art von Diskriminierung. Sexualisierter Rassismus ist eine Art der Diskriminierung, aufgrund von wahrgenommener „ethnischer Herkunft“ sexuell objektifiziert oder auch abgelehnt zu werden. Es finden hier also sexuelle Präferenzen statt, die unter keinen Umständen mit „normalen“ Präferenzen verwechselt werden dürfen, denn die Fetischisierung von Stereotypen ist nicht biologisch bedingt, sondern das Resultat des Kolonialismus und dessen Effekten.

Sie entsteht durch gesellschaftliche Prägung und die Entwicklung und Beeinflussung eines Menschen.

Sichtbar ist so etwas z.B. vor allem auf nicht ethischen oder nicht feministischen Pornoseiten im Internet, welche die Vorlieben und Fetische von Personen auf stereotypische Kategorisierungen aufgrund von Aussehen, Herkunft, Sprache, Alter oder Erfahrung herunterbrechen. Dies wäre ein Beispiel einer solchen gesellschaftlichen Prägung und ist auf jeder Ebene rassistisch und sexistisch, egal ob dafür bezahlt wird oder die Videos kostenlos zur Verfügung gestellt werden (Fetisch-und-Rassismus). 

Undokumentierte Frauen ohne Papiere machen häufig Erfahrungen mit Vergewaltigung oder körperlicher Belästigung, können sich aber nicht an Organisationen oder an die Polizei wenden, aus Angst abgeschoben oder ausgewiesen zu werden, weil sprachliche Barrieren sie zurückhalten und aus Angst von ihrer Familie getrennt zu werden (People of Color - The Center at 909).

People of Color nehmen nur sehr selten soziale Dienste und Support-Systeme in Anspruch oder lassen sich nach Gewalttaten medizinisch behandeln. Ebenso liegt es nicht nur an dem historischen und noch heute aktuellen Rassismus, sondern auch an der Polizeibrutalität gegenüber BIPOC, weshalb sich diese nach einer erlebten Straftat nicht bei der Polizei melden oder sich anders weit rechtliche Hilfe suchen.

In Krankenhäusern, Polizeistationen oder anderen Unterstützungs-Einrichtungen werden BIPOC möglicherweise mit weniger Respekt und/oder weniger Priorität behandelt als weiße Menschen und sind möglicherweise noch mehr Schuldzuweisungen und Unglauben ausgesetzt als weiße Menschen in denselben Einrichtungen ( Women of Color Network Facts &amp; Stats: Domestic Violence in Communities of Color). 


Damit BIPOC nicht die vergessenen Überlebenden von sexualisierter Gewalt sind, müssen wir alle eine nachhaltige Veränderung schaffen, in welcher eine Intersektionale Aufklärung über Sexismus, Rassismus und Ethnosexismus Teil jedes Alltags werden sollte.



Hast du noch Verbesserungsvorschläge zu diesem Artikel? Schicke uns diese sehr gerne weiter. Wir lernen noch dazu.



Literatur: 

American Psycholical Association:  Black women, the forgotten survivors of sexual assault. APA Newsletter. Februar 2020. Abgerufen am 14.04.2021  https://www.apa.org/pi/about/newsletter/2020/02/black-women-sexual-assault


Care. Campus advocacy resources & education uc merced: Sexual Violence Resources for students who identify as Women of Color. Abgerufen am 20.04.2021  https://care.ucmerced.edu/sites/care.ucmerced.edu/files/page/documents/sexual_violence_and_women_of_color_1.pdf


Now.org: Black Women and Sexual Violence. Abgerufen am 24.04.2021 https://now.org/wp-content/uploads/2018/02/Black-Women-and-Sexual-Violence-6.pdf


Melissa Erkurt:  Fetisch-und-Rassismus. In: Taz.de. 13.07.2020 Abgerufen am 20.04.2021  https://taz.de/Fetisch-und-Rassismus/!5694662/


The Center at 909: Sexual Violence: People of Color. Abgerufen am 08.05.2021  http://www.sexualassaultsupportcenter.com/people-of-color.html


Ujimacommunity: Black Women and sexual assault.  National Center on Violence Against Women in the Black Community. Oktober 2018. Abgerufen am 08.05.2021  https://ujimacommunity.org/wp-content/uploads/2018/12/Ujima-Womens-Violence-Stats-v7.4-1.pdf


Women of Color Network: Facts & Stats: Domestic Violence in Communities of Color.  June 2006. Abgerufen am 05.05.2021  http://www.doj.state.or.us/wp-content/uploads/2017/08/women_of_color_network_facts_domestic_violence_2006.pdf

Kommentare
* Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.